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Warum Wildtiere ihr Fell wechseln

04.12.2020, Beatrice Schranz

Während wir uns an kalten Wintertagen in eine dicke Winterjacke hüllen, legen sich Säugetiere für diesen Zweck ein wärmendes Winterfell zu. Allerdings geht es bei den Tieren nicht ganz so schnell wie bei uns. Der Fellwechsel ist ein Prozess, der schon im Herbst beginnt. Wir erklären euch, wie dieser Wechsel abläuft.
Das Winterfell wärmt und tarnt

Die meisten unserer Säugetiere wechseln ihr gesamtes Haarkleid zwei Mal pro Jahr, einmal im Herbst und einmal im Frühling [1]. Jetzt, auf den Winter hin haben sich die Wildtiere ein dickes Fell zugelegt und sich so an die herrschende Kälte angepasst. Das Winterfell hat zwei Funktionen: Zum einen wirkt es isolierend und reguliert die Körpertemperatur, die sogenannte Thermoregulation. Zum anderen dient es der Tarnung. [2].

 


Der Fuchs im leichten Sommerkleid. 
© Alex Wild / wildenachbarn.ch

 
Im Winter ist das Fell des Fuchses dichter und der Schwanz ist buschiger 
© Sonja Portenier / wildenachbarn.ch 

Verschiedene Haartypen

Der Wechsel vom Sommer- zum Winterfell beginnt bereits im Herbst und wird primär durch die Tageslänge bestimmt. Dabei fällt das leichtere und oft hellere Haar des Sommerfells langsam aus und gleichzeitig wächst dichteres, oft dunkleres Haar nach. Das Winterfell besteht aus zwei Schichten: Zum einen aus dichten und weichen Unterhaaren, die der Wärmeisolierung dienen, und zum anderen aus groben und längeren Deckhaaren, die dem Fell die Farbe verleihen und vor Nässe schützen. Zwischen den Haaren bilden sich zudem kleine Hohlräume aus Luft, sogenannte Luftzellen. Sie verhindern das Wärme nach aussen abgegeben wird und tragen zusammen mit der mehr oder weniger dicken Fettschicht zur idelen Isolation bei [2,3].

Von Spiegeln und Pinseln

Auch beim Reh ist das Fell im Winter deutlich dichter als im Sommer; die Farbe wechselt von rötlichbraun zu graubraun. Die Geschlechter kann man im Winter besonders gut über den Spiegel, die weissen Haare am Hinterteil, unterscheiden, weil er dann besonders ausgeprägt ist. Beim Weibchen ist er herzförmig, beim Männchen eher nierenförmig. Er dient den Tieren unter anderem der Orientierung, wenn die Rehe fliehen müssen. Das Reh besitzt keinen Schwanz. Das Haarbüschel, das sich bei der Rehgeiss im Winterfell am Hinterteil bildet, besteht nur aus Haaren; man nennt es "Schürze".

 


 Im Sommer ist das Fell des Rehs rötlichbraun.

© Claudia Kistler / stadtwildtiere.ch
 

Im Winter ist das Fell der Rehe dunkelbraun. Die Rehgeiss besitzt am Spiegel zusätzlich eine «Schürze», einen weissen Fellzipfel. Im Winter kann man sie vor allem an diesem Merkmal vom Rehbock unterscheiden. 
© René Röthlisberger / wildenachbarn.ch 

 


Im Winter wächst beim Rehbock das Geweih nach, hier ist es noch im Aufbau mit der Basthaut (Februar).

© René Röthlisberger / wildenachbarn.ch

 

Auch das Eichhörnchen legt sich für den Winter einen wärmenden Mantel zu, denn es hält keinen Winterschlaf (siehe Blogbeitrag zum Winterschlaf). Zusätzlich wachsen dem Nussliebhaber auf den Winter hin die «Hörnchen» oder «Ohrpinsel», die langen Haare an den Ohren. Ihren buschigen Schwanz brauchen sie als warme Winterdecke, wenn sie sich im Nest zum Schlafen einrollen [4,5]. 

 

Die typischen Ohrbüschel oder Ohrpinsel trägt das Eichhörnchen im Winter.

© Madlen Plattner / wildenachbarn.ch

Gut getarnt

Einige Arten wechseln sogar die Fellfarbe. Das klassische Beispiel ist der Schneehase, der im Sommer ein braun-graues Fell hat und im Winter schneeweiss ist. Oder das Hermelin: Während es im Frühling und Herbst einen braunen Rücken und weissen Bauch hat, ist sein Fell im Winter fast ganz weiss, nur die Schwanzspitze ist schwarz. Je nach Stadium des Fellwechsel ist sein Gesicht weiss oder braun [3]. 

Der Grund für diesen Farbwechsel ist die Tarnung. Einerseits schützt sie Beutetiere vor dem Gefressenwerden und andererseits verhilft sie den Raubtieren zur erfolgreichen Jagd. In der Wissenschaft wurde schon früh erkannt, dass die Eigenschaft, mit dem Hintergrund zu verschmelzen, eine der der stärksten evolutionären Triebkräfte für die Fellfarbe ist [1].

 

 

Der Schneehase im Übergang zwischen Winter- und Sommerfell.

© Christian Sprecher / wildenachbarn.ch

Im Frühling zum Sommerfell

Sobald es wärmer wird und die Tageslänge zunimmt, setzt der Fellwechsel wieder ein und das Winterfell wird langsam zum Sommerfell. Bei Marderartigen verläuft der Wechsel zum Sommerfell langsamer als der Wechsel zum Winterfell. Beim Hermelin erfolgt der Wechsel im April bis Mai. Bis dann hat es wieder einen braunen Rücken; der weisse Bauch und der weisse Hals bleiben ihm erhalten. 

 

 

Bei dieser Beobachtung eines Hermelins im Frühjahr 2017 ist gut zusehen, dass das Fell vom Kopf her von weiss zu braun wechselt.

© Fréderic Pasquier / nosvoisinssauvages.ch

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Artportrait Reh

Artportrait Hermelin

Artportrait Eichhörnchen

Quellen

[2] Hickman, C. P. (2008). Zoologie (13., aktual. Aufl.). München: Addison Wesley in Pearson Education Deutschland. S. 904-905
[1] Zimova, M., Hackländer, K., Good, J. M., Melo-Ferreira, J., Alves, P. C., & Mills, L. S. (2018). Function and underlying mechanisms of seasonal colour moulting in mammals and birds: what keeps them changing in a warming world? Biological Reviews, 93(3), 1478–1498. doi: 10.1111/brv.12405
[3] Ineichen, S.; Klausnitzer, B., Ruckstuhl, M. . (2012). Stadtfauna : 600 Tierarten unserer Städte (1. Aufl.; M. Ruckstuhl, ed.). Bern etc.: Haupt Verlag
[4] NABU: Porträt Eichhörnchen
[5] Mehr Facts zum Eichhörnchen
 

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